„Weltgewissen“ – Thomas Manns religiöser Humanismus

Ein Vortrag von Dr. Karl-Josef Tuschel am Mittwoch, dem 18. März 2026 um 19:00 Uhr in der Ev.-luth. Kirche in der Rue Verdaine 20, 1204 Genève

«Ein neuer Humanismus ist nötig», vertraut Thomas Mann 1945 seinen Tagebüchern an: ein Humanismus, der angesichts der erlebten Geschichte des 20. Jahrhunderts mit all seinen Schrecken, im Wissen um das «Dämonische», neu religiös fundiert sein müsse. Der dabei entwickelte Begriff des ‘Weltgewissens’ steht an der Seite der Idee universeller Rechte oder der Utopie eines Weltfriedens, schließt zugleich Thomas Manns lange Beschäftigung mit der Religion ab, in der dieser Autor nicht immer dieselbe Position vertreten hat. In diesem Vortrag und in dem ihm zugrundeliegenden, zum Thomas-Mann-Jahr 2025 erschienenen neuen Buch Weltgewissen kommt damit auch eine ‘Suchbewegung’ in den Blick, anhand derer man ein Gesamtbild des Oeuvres Manns nachzeichnen kann.

Karl-Josef Kuschel, Theologe und Literaturwissenschaftler, war von 1995 bis zu seiner
Emeritierung 2013 Professor für ‘Theologie der Kultur und des interreligiösen Dialogs’ und ist
aktuell u. a. Präsident der Internationalen Hermann-Hesse-Gesellschaft.

Neben zahlreichen theologischen Publikationen (insbesondere zum ‘Weltethos’) weist sein Werk seit seiner Doktorarbeit Jesus in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur (1987, 2. Aufl. 1997) auch
viele Veröffentlichungen zur deutschsprachigen Literatur im Dialog mit der Religion (Hesse,
Kafka, Brecht, Zweig) und eine frühe Studie zu Weihnachten bei Thomas Mann (2006) auf.

Magische Orte (2022) stellt sympathisch vor, welches Vergnügen Literaturreisen bereiten
können. Den ihn prägenden in Tübingen wirkenden Intellektuellen Hans Küng und Walter Jens
widmete er mehrere Porträts in Buchform. Seine Monographie zu dem ersten Präsidenten der
Bundesrepublik und dessen Auseinandersetzung mit der Schuldfrage Antisemitismus und
deutsche Demokratie: Theodor Heuss und seine Kreuzzüge gegen das Vergessen (2. Aufl.,
2019) zeigt in Theodor Heuss einen Intellektuellen, der es seinen Zeitgenossen nicht bequem
machen wollte.